Disciples III: Renaissance
Rache. Mit diesem einen Wort kann man die Handlung der Disciples-Reihe gut beschreiben.
Wie? Disciples kennt ihr nicht. Die ganze Reihe ausführlich zu beschrieben währe zu viel, also
beschränke ich mich auf den neusten Teil der Reihe: Disciples III Renaissance.
Einführung
Disciples III Renaissance ist ein Rundenstrategiespiel mit doch recht hohem Rollenspielanteil. Das Verhältnis Strategiespiel zu Rollenspiel ist fast genauso wie in Warcraft 3. Wie in den anderen beiden Teilen auch wählt man zu erst ein Volk; dabei hat man die Auswahl: Imperium (Menschen), Legion der Verdammten (Dämonen) und Elfenallianz (Elfen und Waldwesen).
Danach muss man sich nur noch entscheiden, welche Klasse der Hauptheld haben soll. Entweder wird er zu einem Kriegsherr mit viel Lebenspunkten und hohem Nahkampfschaden dann regenerieren sich alle Einheiten unter seinem Kommando mit 15% deren Lebenspunkte pro Runde, oder er wird zu einem Erzmagier, welcher zwar schwach auf der Brust ist, aber alle feindliche Einheiten mit einem Angriff Schaden zufügt. Nebenbei ist es dem Erzmagier gestattet zweimal pro Runde einen Zauber zu wirken, dass kann schon sehr früh über Leben oder Tod entscheiden, und die Entwicklungskosten für neue Zauber werden bei ihm um die Hälfte reduziert. Oder man macht den Haupthelden zum Gildenmeister. Seine Lebenspunkte befinden sich zwischen dem eines Erzmagiers und eines Kriegsherren. Dafür macht er aber viel Schaden mit seine Fernkampfattacken und er bekommt 30% mehr Ressourcen pro Runde, als bei einem anderem Helden.
Hat man sich dann entschieden, kommt nun das Herzstück der Reihe dran, die Einheiten. Am Anfang hat man einen schwachen Kämpfer, einen miesen Zauberlehrling, einen blinden Fernkämpfer und eine strohdoofe Unterstützungseinheit zur Verfügung. Doch Achtung: Zu Beginn kann der Hauptheld nur 3 Einheiten mitnehmen, da ist Taktik gefragt, welchen nehme ich mit? Noch ein Zauberer für meinen Erzmagier oder doch lieber einen Nahkämpfer? Während die ersten 3 Grundeinheiten in allen 3 Völkern ziemlich gleich sind, Unterschiede NOCH rein optischer Natur, sind die Unterstützungseinheiten in der Grundversion schon anders. Die Menschen haben eine Heilerin, die Dämonen einen langsamen „Panzer auf zwei Beinen“, welcher ab der 3. Stufe richtig übel werden können, dazu später mehr, und die Elfen bekommen einen Schadensfänger, Online-Rollenspieler nennen so etwas „Tank“.
Zu Beginn können die Helden zwar nur 3 Einheiten mitnehmen, doch später werden es 9 Einheiten. Wie den das? Durch siegreiche Kämpfe gewinnt der Held und seine Einheiten Erfahrungspunkte, hat er genügend gesammelt steigt er Held eine Stufe auf. Dann kann man seine Attribute steigern und ihm neue Fähigkeiten geben, darunter „Führungsschaft“, welche das Einheitenlimit des Helden um 1 erhöht. Und die Einheiten? Wieder kommt die Taktik ins Spiel. In der Hauptstadt kann man Gebäude errichten und so bestimmen welchen Pfad die Einheiten nehmen sollen, doch Achtung: einmal gebaut ist es unwiderruflich. Beispiel: Der Kämpfer der Menschen in der 1. Stufe ist der Knappe. In der 2. Stufe wird er zu einem Ritter oder zu einem Hexenjäger, ja nachdem welches Gebäude man baut, dabei sind jene Einheiten schon sehr unterschiedlich: der Ritter hat zwar mehr Lebenspunkte und macht mehr Schaden als der Hexenjäger, jedoch hat er keine Chance gegen magischen Schaden und gegen dämonische Unholde, da ist der Hexenjäger klar im Vorteil. In der 3. Stufe kann der Hexenjäger nur zum Inquisitor werden und der Ritter nur zum Imperialen Ritter. In der 4. Stufe wird es wieder interessant. Während der Inquisitor nur zum Großinquisitor werden kann, kann der Imperiale Ritter entweder zu einem Paladin oder zu einem Engel werden. Während es beim Großinquisitor und beim Engel aufstiegstechnisch gesehen nun Schluss ist, kann der Paladin entweder zum Heiligen Rächer oder zum Verteidiger des Glaubens werden. Also wird aus einem Knappen ein Großinquisitor (Stufe 4), meisterlicher Monster- und Zaubererjäger, einem Engel (Stufe 4), schnell und viel Schaden, aber wenig Lebenspunkte, einem Heiligen Rächer (Stufe 5), auch viel Schaden und hat eine Chance auf einen Zusatzangriff, oder zu einem Verteidiger des Glaubens (Stufe 5), viele Lebenspunkte und hohe Rüstung (Schadensreduzierung). Diese Qual der Wahl hat man mit jedem Einheitentyp, also ist wieder die richtige Strategie gefragt.
Natürlich gibt es auch Gegenstände wie Waffen, Rüstungen, Ringe, Amulette, Tränke, Spruchrollen,etc., die entweder feindliche Monster besitzen, in Schatztruhen befinden, oder in Läden zu kaufen sind. Diese Gegenstände beeinflussen auch die Attribute, Resistenzen und andere Werte des Helden, wenn er sie trägt. Irgendwann kommt man mit einem Helden nicht weiter, dann kann man in der Hauptstadt oder in einer eroberten neutralen Stadt neue Helden anwerben, oder einen Dieb, der feindliche Helden, Städte und Verliese ausspionieren kann.
Verpackung und Inhalt
Die DVD-Hülle befinden sich in einer Papp-Hülle, welche eine gute optische Qualität hat sonst aber durchschnittlich ist. In der DVD-Hülle befindet sich neben der Spiel-DVD noch ein 74-seitiges Handbuch, nicht mehr und auch nicht weniger. Das Handbuch beinhaltet alles wesentliche, aber es beschreibt leider die besonderen Eigenschaften der Einheiten nicht, was das Tutorial auch nicht tut. Was für Neulinge der Reihe richtig gut ist, ist die Tatsache, das auf 14 Seiten die Vorgeschichte und die Handlung aus Teil 1 und Teil 2 kurz aber ausführlich zusammenfasst und auch die Welt Nevendaar mit all seinen Bewohnern gut beschreibt. Das Lesen dieser Seiten ist aber auch für die Geschichte in Disciples III wichtig, da man sonst den Sinn nicht versteht.
Note: 3,5 / 5
Das Spiel
Grafik
Die Grafik ist für ein Strategiespiel sehr gut. Das Design ist sehr gut und die Texturen sind sehr detailliert. Die Animationen sind ebenfalls im guten bis sehr gutem Bereich und sie sind sehr zahlreich vorhanden. Die Optik des Spiels besteht hauptsächlich aus Braun- und Grautönen, was zur Atmosphäre des Spiels absolut passt.
Bilder sagen mehr als tausend Worte
Sound
Die Qualität der Musik ist gut, Punkt. Leider wiederholen sich die Stücke zu oft und nerven damit auf die Dauer. Jedoch passt die Musik zur Atmosphäre.
Atmosphäre
Nur ein Wort: Düster. Die Grafik und der Sound leisten dabei den wichtigsten Beitrag und der Tag-Nacht-Wechsel, als ein neues Feature, welcher auch Auswirkungen auf die Kämpfe und auf der Karte hat, unterstützt auch die düstere Atmosphäre des Dark-Fantasy-Games. Insgesamt wirkt das Spiel erwachsener und dunkler als beim Genrekönig Heroes of Might and Magic V.
Gameplay
Der Kern des Gameplay ist gleich geblieben, aber es wurde einiges sinnvoll verändert. Immer noch baut man in seiner Hauptstadt Gebäude um seine Einheiten aufsteigen zu lassen, forscht neue Zaubersprüche, erobert neue Ressourcenquellen und neutrale Städte, besiegt feindliche Helden, zerstört die Hauptstadt der Feinde… . Was nun genau anders ist, ist im nächsten Abschnitt aufgelistet.Es gibt 3 Kampagnen, also eins pro Volk, mit insgesamt 19 Missionen. Das klinkt nach nicht viel, man muss aber bedenken, dass einige Mission bis zu 4 Stunden, wenn nicht sogar länger, dauern. Im ganzen ist das Gameplay sehr fesselnd und spannend, obwohl die KI im Schwierigkeitsgrad „Normal“ recht einfach agiert, aber in „Schwer“ man das Gefühl nicht los wird, dass die KI cheatet.
Note: 4 / 5
Neuerungen zu Disciples II Dark Prophecy
Wir fangen zuerst mit den positiven Veränderungen im Vergleich zu Disciples II an:
Im 2. Teil könnten die Helden maximal nur 5 Einheiten mitnehmen, da war am Anfang noch die Suche nach der besten Kombination, wenn man sie aber einmal gefunden hat, war man so gut wie unbesiegbar. Im Nachfolger kann jeder Held bis zu 9 Einheiten kommandieren, bis man da die beste Kombination gefunden hat, können Stunden, oder Tage vergehen, je nachdem welches Volk, welche Heldenklasse, welchen scheinbar unbesiegbaren Gegner man hat. Noch spaßiger wird es wenn man Städte verteidigen muss oder welche erobert. Dann können dort bis zu 12 Einheiten sich dort aufhalten.
Die Hauptstadtgarnison des Imperium. Der Erzengel reicht als Verteidigung.
Die Helden waren und sind in der Disciples- Reihe die wichtigsten Einheiten, die Drachen spielen in einer anderen Liga. Während man im Vorgänger die Helden mit Gegenständen ausrüsten kann und bei Stufenaufstiegen eine neue Fähigkeit spendieren kann, kann der Held in Disciples III mehr, viel mehr; Vergleichbar mit einem Kampf zwischen Schwert (Held von Disciples II) und Sturmgewehr (Held von Disciples III). Ausrüstungen können beide tragen, aber es wurden mehr: Waffe, Rüstung, Helm, Schuhe, Hose, Handschuhe, Ringe, Talismane und Sphären. Diese Gegenstände haben nicht nur Einfluss darauf welchen Schaden und Lebenspunkte der Held hat, sondern sie beeinflussen auch die 6 Attribute des Helden, welche unterschiedliche Auswirkungen auf dem Helden haben, zum Beispiel wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist einen kritischen Treffer zu erzielen, oder solch einen Angriff auszuweichen. Nicht zu vergessen sind die Resistenzen, die der Held besitzt, welche durch die Items verändert werden können. Diese Resistenzen sind wichtig, wenn die Truppe von gegnerischen Zaubern, oder Attacken getroffen wird. Cool ist die Tatsache, dass man die ausgerüsteten Gegenstände am Helden richtig sieht. Cool ist es auch, dass man nicht mehr wie im 2.Teil eine Liste hat, wo man die eine neue Fähigkeit aussucht, sondern man hat nun eine Art Mosaik, ein Puzzle, wie Mahjongg, wo man die Fähigkeiten nacheinander aussucht. Bei einem Stufenaufstieg hat man nicht nur 3 Punkte, die man bei den Attributen verteilen kann, sondern auch 2 Punkte im Fähigkeitenmosaik, aber durch besondere Orte in der Spielwelt kann man neue Fähigkeitenpunkte holen, ohne eine Stufe aufsteigen zu müssen. Einige dieser Fähigkeiten geben dem Helden besondere Eigenschaften, die man während des Kampfes einsetzen kann, wie gefallene Einheiten wiederbeleben. Sieg: Sturmgewehr.
Das Heldenfenster mit den Attributen, Ausrüstungen und das Inventar.
Das „Fähigkeitenmosaik“.
Das einzige große Fragezeichen, dass ich beim ersten spielen hatte, war die Frage, wie ich die Ressourcen erobere, da mir die Standartensetzer aus dem 2. Teil fehlen. Antwort: Mit Hilfe der Wächterknoten. Wächterknoten? Wächterknoten oder auch Knotenpunkte der Macht sind kleine Orte auf der Welt, wo ein beliebiger Held die „Standarte“ des jeweiligen Volkes platziert. Dann erscheint ein Wächter und das Land herum verändert sich, wie im Vorgänger. Diese Wächter sammeln auch Erfahrungspunkte und steigen in 2 Stufen auf. Um nun ein feindliches Land zu erobern, muss man diese Wächter besiegen. In der 1. Stufen haben sie „nur“ 1050 Lebenspunkte, aber in der 3. Stufe auch „nur“ 2500 Lebenspunkte, welche schon in der 1. Stufe hohen Schaden machen und deren besondere Eigenschaften machen sie noch gefährlicher.
Das runde, leuchtende Ding in der Mitte ist so ein Wächterknoten.
Beispiel: Links die Grundversion des Wächters des Imperium; Mitte die 2. Stufe, die die starke Angriffe abwehren kann; Rechts die 3. Stufe, die die auch mächtige Angriffe aushält.
Kommen wir nun zur größten Neuerungen gegenüber Disciples II, welches das Hauptfeature von Teil 3 ist, der taktische Kampf. Wie in Heroes of Might and Magic V bewegt man seine Einheiten zuerst auf dem Schlachtfeld und wenn eine feindliche Einheit nah genug dran ist, dann kann man ihn angreifen. Die Fernkämpfer bleiben logischer weise hinten, genauso wie die Magier. Damit es spannend bleibt, werden die Kampfarenen zufällig generiert, d.h es können Hindernisse auftauchen.
Neben den normalen Feldern gibt es auch drei andere Feldarten, die besondere Boni liefern, der eine erlaubt doppelten Nahkampfschaden, der andere doppelten Fernkampfschaden und der letzte doppelten magischen Schaden. Diese Boni erhält man aber nur, wenn die richtige Einheit auf dem Feld sich befindet und auch nur dort erhält jene Einheit den Boni.Auch neu ist es, dass man nun Zauber, sogenannte Runen, während des Kampfes wirken kann. Dadurch wird es wesentlich taktischer als bei Heroes of Might and Magic V.
So sieht ein typischer Kampf in Disciples III aus.
Doch nun zu den unschönen Dingen des Spiels.
Sehr Unkomfortabel ist es, dass die neutralen Städte keine eigenen Namen haben, sondern einfach nur „Neutrale Stadt“ heißt, wenn man mehr als 3 neutrale Städte hat, denn verliert man sehr schnell den Überblick. Neben den Ressourcen Gold, Lebensmana, Feuermana und Erdmana kam die Ressource Stein hinzu. Außer zum Gebäudebau benötigt man es nicht, daher hat man irgendwann über Hunderttausend Steine. Da hätte man noch etwas machen können. Ein Spiel mit dem Feuer ist auch des Feature „Schneller Kampf“. Hat man es einmal aktiviert, kann man es nicht mehr beenden, bis der Kampf vorbei ist.
Hat man in Disciples II 4 Völker zur Auswahl, mit dem 3. Addon Rise of the Elves sogar 5 Völker, kann man in Disciples III nur 3 Völker wählen, obwohl Einheiten der Bergclans (Zwerge) und der Horde der Untoten (Untote) schon vorhanden sind und das nicht nur zu knapp. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass jene mit einem möglichen Addon spielbar werden.
Das alles und noch einiges mehr ist nur Kleinkram, die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, doch das Nächste ist ein wirklicher Sch…, Pardon es ist ein absoluter Minuspunkt. Wo ist der Multiplayermodus? Warum hat man im Hot Seat Modus nur 5 Karten zur Verfügung? Wieso hat man im Einzelspielermodus nur 2 Karten? Sorry liebe Entwickler, aber ich verstehe es nicht. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich das Spiel trotzdem gekauft, mit zwei geschlossenen Augen und einem weinenden Fanherzen.
Note: 3,5 / 5
Hardware und Probleme
Wenn man sich die Bilder und Videos anschaut, dann muss man doch denken, dass das Spiel eine hohe Systemanforderung hat und sehr Hardwarehungrig ist. Doch falsch gedacht, die Systemanforderung von Disciples III ist:
Betriebssytem: Windows 7 / Vista / XP SP 2
Prozessor: 2 Ghz Single Core
RAM: 512 MB
Festplattenspeicher: 10 GB
Grafikkarte: DirectX 9.0c kompartible Grafikkarte mit mind. 128 MB
Das ist ganz klar eine 1 wert. Das hat fast Blizzard-Niveau.
In der deutsches Verkaufsversion 1.06, die am 24.06.2010 veröffentlicht wurde, treten keinerlei Bugs auf. Probleme kann es jedoch geben, wenn man im Hintergund Fraps zu laufen hat. Das ist jedoch nicht so schlimm.
Note: 5 / 5
Mein Fazit
Disciples III Renaissance ist ein sehr umfangreiches und spannendes Spiel. Gegenüber Heroes V kann man es als Grafikblender bezeichenen, doch das ist stimmt nicht. Es kann zwar mit Heroes V in manchen Bereichen mithalten und sogar Übertrümpfen, doch im Mehrspielerbereich hat Heroes V jedoch die Nase vorn. Wer jedoch nach einer guten Alternative sucht, oder einer erwachsene und düstere Version von Heroes of Might and Magic V sucht, der ist mit Disciples III gut bedient. Wem das immer noch nicht gefällt, muss warten bis Civilization V erscheint.
Gesamtnote : 4 / 5 => 80% => 2,0







