1.3 Funktionsweise des IME-Pads
1. Einführung
Nun haben wir gelernt, wie man das IME auf seinem PC installiert. Doch wie verwenden wir nun dieses richtig, um schnell Texte auf Japanisch zu schreiben? Dies scheint im ersten Moment eine große Herausforderung zu werden, jedoch lässt sich dies einfach erlernen, wenn man das Grundprinzip der japanischen Schrift und des IME’s verstanden hat, das Zweitere werden wir nun erläutern.
Hinweise: Das Tutorial wurde mithilfe einer japanischen Windows 7 Version erstellt. Die Bilder sind dementsprechend von dieser Version entnommen. Die Unterschiede zum IME auf anderen Sprachversionen von Windows sind lediglich die Bezeichnungen des Menüs.
Das IME unterscheidet sich in den unterschiedlichen Windowsversionen lediglich in Hinsicht auf die Menge der implementierten Wörter und den Schreibkomfort. Die mitgelieferten Funktionen sind bei allen Versionen in vollem Umfang enthalten und unterscheiden sich kaum voneinander.
2. die Grundlagen des Schreibens
Wenn wir ein Dokument öffnen, und dann mit dem IME unser erstes Wort schreiben wollen, fällt uns sehr wahrscheinlich auf, dass wir ganz “normale” ASCII-Zeichen erzeugen (Zeichen, wie sie im Englischen verwendet werden). Dies lässt sich durch den Status des IME-Pads begründen, denn in der Taskleiste ist ein “A” zu sehen
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Das IME befindet sich im sogenannten 英語モード (English-Mode). Damit kann man mit der japanischen Tastatur “ganz normale” Zeichen erzeuge, die zum Beispiel gebraucht werden, um Webseitenadressen zu schreiben. Diese sind auch in Japan mit unseren Zeichen benannt (damit diese international aufgerufen werden kann). Um nun aber Japanisch schreiben zu können, müssen wir den Modus auf den sogenannten ひらがなモード (Hiragana-Modus) umschalten. Dies passiert durch eine einfache Tastenkombination. Um Verwirrung zu vermeiden zeigen wir die Tasten anhand eines Tastaturschemas:

Wie ihr diese Tastatur seht, ist auch die japanische Tastatur aufgebaut. Für einen Anfänger ist erstmal lediglich zu beachten, dass das Y und Z für den User, der eine deutsche Tastatur gewohnt ist, vertauscht sind. Nach drücken dieser zwei Tasten sollte das IME -Pad reagieren und nun folgendermaßen aussehen:
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Anstelle des A ist jetzt ein あ (Hiragana-”A”) zu sehen. Dies bedeutet, dass wir nun im ひらがなモード (Hiragana-Modus) sind. Nun können wir endlich mit dem Schreiben anfangen. Etwas ungewöhnlich ist beim ersten Schreiben, dass wir scheinbar immer noch teilweise ASCII-Zeichen erzeugen, wie dieses Bild zeigt.

Allerdings fällt dabei auf, dass dieses Zeichen (in unserem Fall ein w) mit einer gepunkteten Linie markiert ist. Dies bedeutet, dass das IME-Pad nun aufmerksam ist, und Zeichen nach Bedarf umwandelt. Die Umwandlung lässt sich folgendermaßen erklären:
Die japanische Schrift besteht aus Silben, die in unserer Schrift mit mehreren Zeichen ausgedrückt werden können. Beispielsweise ist das Zeichen ひ bei uns ein “hi” also 2 Zeichen statt einem. Nicht alle Kombinationen, die bei uns existieren, lassen sich als Zeichen im Japanischen ausdrücken. Beispielsweise gibt es kein “kl” wie in klein.
in unserem Beispiel hat das IME ein W eingelesen bekommen. Dies alleine kann man in der japanischen Schrift nicht als Zeichen darstellen. Deshalb sehen wir als User nach wie vor ein W. Wenn wir jetzt aber ein “a” nach dem W eingeben, hat das IME-Pad die Eingabe “wa“, was der japanischen Silbe わ entspricht. Der Eingabemodus wandelt also die Zeichen folgerichtig um:

Es gibt dabei unterschiedliche Kombinationen, die umgewandelt werden können. Diese sind intuitiv an die japanische Sprache angelehnt. Hier ein paar Beispiele:

Besonders ist zu beachten, dass es im Japanischen weder das L noch das X gibt. Wenn ihr diese Zeichen jedoch im ひらがなモード (Hiragana-Modus) verwendet, gelangt ihr an die “Kleinbuchstaben” (siehe letztes Beispiel im Bild).
Zum Vergleich: あぁ おぉ うぅ えぇ つっ
Uns genügt allerdings nicht aus, nur Hiragana-Texte zu verfassen. Wenn wir Beispielsweise das Wort “私”(Ich) schreiben wollen, kommen wir mit Hiragana nicht sehr weit. Der Schlüssel dazu ist allerdings wieder das IME-Pad, welches auch nach der Eingabe von einigen Zeichen immer noch diesen Text überwacht. Zu sehen ist dies durch die gepunktete Linie unterhalb der Zeichenkette. Wenn wir jetzt also わたし(watashi) eingegeben haben, und nun die Leertaste bedienen, erscheint ein Untermenü:
Dort werden die möglichen Schreibweisen der Zeichenkette gezeigt. Standartgemäß ist bei diesem Beispiel das Schriftzeichen 私 an erster Stelle. Wollen wir jedoch zum Beispiel Schreibweise 4 benutzen, so müssen wir entweder die 4 auf der Tastatur drücken, mit den Pfeiltasten zum richtigen Beispiel scrollen, oder dieses mit der Maus anklicken. Bei diesem Beispiel ist es sehr eindeutig, welches Zeichen wir erhalten wollen, weshalb das IME-PAd direkt das erste Beispiel erscheinen lässt. Wir müssen also nichts weiter tun, als mit Druck auf die Enter-Taste diesen Text zu bestätigen. Bei dem Beispiel けい (kei) sieht dies jedoch schon etwas anders aus:

Um das in unserem Logo verwendete Schriftzeichen 系 zu finden, muss man schon etwas länger suchen. Das am häufigsten benutzte Schriftzeichen für die Lesung けい ist nunmal 計 (Summe). Wenn wir ein anderes Zeichen benötigen, so müssen wir dieses in der Auswahl suchen.
Schreiben wir öfter solch seltenere Schriftzeichen, so rücken diese langsam aber sicher an die erste Stelle der Auswahl. Das IME-Pad merkt sich also die Zeichen, die ihr oft benutzt. Dies kann die Schreibgeschwindigkeit erheblich erhöhen.
Ihr könnt auch getrost ganze Sätze mit dem IME-Pad schreiben, bevor ihr mit einem Leerzeichen die Auswahl der richtigen Schreibung trefft. Beachtet jedoch, dass es zu Fehlern kommen kann, wenn ich zu viele Zeichen auf einmal konvertieren wollt. Dies ist gerade bei älteren Versionen (Windows 2000) genau zu beachten. Geben wir einen Satz ein, passiert mit drücken der Leertaste folgendes:

Ein Teil der eingegebenen Zeichen ist nun durchgehen unterstrichen. Das IME-Pad teilt die Zeichenkette in logische Satzteile ein. Nun könnt ihr euch um die Satzteile separat kümmern. Mit den Pfeiltasten ← → wechselt ihr dann zwischen den Satzteilen hin und her. Ansonsten funktioniert alles wie bisher.
3. Unbekannte Zeichen verwenden
Jetzt können wir schon mit dem IME-Pad gut umgehen und auch schon so ziemlich alles schreiben, was wir wollen. Vorausgesetzt wir wissten genau, wie ein Wort ausgesprochen wird. Was ist aber nun, wenn wir ein Zeichen verwenden müssen, welches euch komplett fremd ist? Dieses können wir ja ohne Lesung nicht schreiben. Dafür gibt es aber noch andere Tools, die euch das Schreiben erheblich erleichtern können. Diese Tool erreicht ihr im Menü des IME-Pad in der Taskleiste:
Mit Klick auf das Werkeugkastensymbol (ganz links unten im Bild) öffnet ihr ein Untermenü. Dort müsst ihr IMEパッド (Ime-Pad) auswählen.
Zuerst öffnet sich das Schreibfenster:

Dort könnt ihr nun das Zeichen mit der Maus schreiben. Wird das gewünschte Zeichen vom PC erkannt, könnt ihr dieses ganz leicht im rechten Fenster auswählen. Dies erfordert anfangs zwar ein bisschen Übung, kann aber zum schnellen Helfer in Not werden. Wichtig dabei ist nicht, dass das “gemalte” Zeichen genauso aussieht wie das Zeichen, welches ihr sucht, sondern dass die Strichreihenfolge übereinstimmt. Strichposition und Strichrichtung werden vom IME-Pad gescannt und ausgewertet. Deshalb gibt es auch immer mehrere vorgeschlagene Möglichkeiten, die auf eure Schreibreihenfolge zutreffen können. Hier das Beispiel 中:


Das Resultat ist wie gewünscht das Zeichen 中 (zu sehen an erster Stelle im rechten Fenster). Nach Anklicken des Zeichens erscheint dieses im zu bearbeitenen Text. Die Schreibrichtung der Schriftzeichen verfolgt immer bestimmten Regeln. Wer diese beachtet, kann so auch leicht die Schreibrichtung sowie die Strichreihenfolge fremder Zeichen rekonstruieren.
Ein weiteres Tool ist die Suche nach Unicode-Zeichen. 
Dort könnt ihr Beispielsweise nach Sonderzeichen suchen. Die gezielte Suche nach Schriftzeichen ist damit jedoch nur bedingt möglich. Die Funktionsweise ist selbsterklären. Man kann sich hier durch die Unicode-Blöcke scrollen und gewünschte Zeichen anklicken.
Ein weiteres, nützliches Tool kann das nächste sein. Wenn ihr die Strichreihenfolge doch nicht rekonstruieren könnt, da das Zeichen doch sehr komplex ist, so könnt ihr das Zeichen anhand der Strichanzahl suchen.

Alle Zeichen sind hier nach der Anzahl ihrer Striche eingeordnet. Wisst ihr die genaue Strichanzahl, könnt ihr so gezieht nach den Zeichen suchen. Die maximale Strichanzahl der Zeichen, die der PC verarbeiten kann ist dabei auf 34 beschränkt. Komplexere Zeichen sind nicht einprogrammiert, da diese im Alltag keinen Gebrauch finden.
Ein letztes Tool zur Suche nach bestimmten Schriftzeichen ist die sogenannte Radikal-Suche

Radikale sind Bausteine, aus denen die Zeichen bestehen, sucht ihr ein Zeichen mit dieser Methode, ist es ratsam Radikale zu verwenden, die möglichst selten verwendet werden. Dies kann die Suchergebnisse erheblich eingrenzen.
4. Eigene Einträge erstellen
Nun können wir mit den IME-Pad schreiben und nach unbekannten Kanjis suchen. Wenn wir jetzt aber Zeichen verwenden wollen, die nur schwer mit dem IME-Pad zu schreiben sind, oder sogar überhaupt nicht einprogrammiert sind, müssen wir diese erst definieren. Dies kann zum Beispiel nützlich sein, um die Umlaute äöü auch mit einer japanischen Tastatur schreiben zu können. Dazu müsst ihr im Menü diesen Eintrag wählen:

Dort könnt ihr nun mit Leichtigkeit neue Einträge schaffen. In meinem Beispiel definiere ich nun die Umlaute Ä und ä:

Oben muss dann eingetragen werden, unter welcher Kombination die Zeichen definiert werden sollen. Ich habe beide unter den Zeichen あえ (“ae”) definiert. Im Eintrag darunter muss dann das Zeichen geschrieben stehen, welches dann erscheinen soll. Dieses könnt ihr Beispielsweise mit eurer deutschen Tastatur eintragen (Tastatur dafür kurz umstellen) oder direkt aus dem Unicode-Zeichensatz herauskopieren (siehe 3.) . Es müssen immer zwei Einträge gleichzeitig gemacht werden. Wenn ihr nur eine Eintragung machen wollt, füllt einfach beide Felder gleich aus. Mit Druck auf die Enter-Taste bestätigt ihr die Definition. In einer Liste könnt ihr eure Definitionen einsehen:

Dies ist meine Definitionsliste. Die Einträge benutze ich, um auch ohne deutsche Tastatur Texte zu schreiben, die eines dieser Zeichen Verwenden. Dieses Tutorial selber wurde mithilfe dieser Definitionen angefertigt. Ist alles richtig durchgeführt worden, könnt ihr diese Definitionen problemlos verwenden:

Mit ein wenig Übung sollte es somit auch kein Problem sein, deutsche Texte mithilfe einer japanischen Tastatur zu schreiben.
Dies sind die wichtigsten Funktionen des IME-Pads, die ihr benötigt, um japanische Texte zu schreiben. Wir wünschen euch viel Spaß beim ausprobieren, und hoffen, dass das Tutorial nützlich ist!
